Dyke* Joy: Uns selbst und einander zu feiern, ist politisch!| Rede von Mads zum Auftakt des D*MC 2023

Das hier ist so ziemlich das Highlight in der Organisation vom Dyke* March: Hier oben zu stehen und zu sehen, wie sich der Platz gefüllt hat. Wie ihr hier alle steht, Bock habt euch zu sehen, gesehen zu werden und gleich zusammen los zu ziehen. Es ist dieses Gefühl auf diesem, unserem Lieblingsplakat dieses Jahr: „SO VIELE DYKES*! ICH FLIPP AUS! JUCHU!“
Das ist Dyke* Joy, Dyke* Freude und zu der Bedeutung von dieser Freude möchte ich jetzt noch ein paar Worte sagen.

Vorweg: Ist es okay, die Bedeutung von Freude und Spaß zu fokussieren, während Rechtspopulismus und Faschismus auch in der BRD immer mehr Fahrt aufnehmen? Während Europa die Grenzen noch dichter macht? Während Gendernormalos auf den Rücken und den Leben unserer trans* und nichtbinären Geschwister ihre Ängste und ihren Hass aushandeln? Während trotzdem weiterhin im Mainstream die unsägliche Gleichsetzung von Rechts und Links, von Menschenfeindlichkeit und Einsatz für Freiheit, Würde und Emanzipation erfolgt?

Aus der Beschäftigung mit Trauma heraus ist die Antwort klar: Ja!
Freude und Spaß wichtig zu nehmen ist nicht nur okay, sondern für alle und insbesondere marginalisierte und unterdrückte Gruppen über-lebens-wichtig.
Unsere Lebensfreude zu fühlen, hilft uns, weiterzumachen!

Und in einer Welt, die uns täglich sagt, dass unser Begehren und/oder unser Geschlechtsausdruck falsch ist, ist es widerständig und befreiend, uns über unser Lesbisch- und unser Queersein zu freuen!
Uns selbst und einander zu feiern, ist politisch und bedeutsam und wunderbar!

Und neben dem Wunsch, mehr Sichtbarkeit zu schaffen auch im Mainstream für unsere Themen, ist genau dieser Zauber von Dyke* Joy – von Verbindung in Freude – das, was uns antreibt, ein Jahr lang diesen, euren, Dyke* March Cologne zu organisieren:
Wir wollen, dass ihr fühlt:
Ja, hier werde ich gesehen und verstanden in meiner lesbisch_queeren, in meiner Dyke* Identität, in meinem Ausdruck, in meinem Style, in meiner Lust, in meiner Art von Familie! Hier sind so viele Gesichter, die mich anstrahlen und sich freuen, dass ich da bin!
Wir wollen, dass ihr fühlt: Ich bin ein Teil von Gemeinschaft!
Dyke*sein ist manchmal ganz schön schwierig – aber auch einfach wunderschön!!! Und dieses Gefühl von Joy soll uns allen der Dyke* March geben.

Dyke* Joy zu fokussieren ist kein Verdrängen.
Es heißt nicht, alles Schwierige bei Seite zu schieben; es heißt nicht, zu vergessen, dass wir uns hier nicht alle gleich sicher, leicht und ausgelassen fühlen können.
Oder zu vergessen, dass hier nicht alle Dykes* gleichermaßen repräsentiert sind.
Wir freuen uns sehr, dass zum Abschluss der Demo noch Redner*innen von baraka – a place for international queers im rubicon e.V., vom „Brokkoli“- Bündnis für geschlechtliche Selbstbestimmung und vom Black & Queer Kollektiv hierzu sprechen werden.

Angelehnt an Audre Lorde in „Die Macht der Erotik“ können wir Dyke* Joy hier auch als Instrument für Solidarität und Veränderung nutzen:
Unsere Freude zu fühlen,
zu fühlen wie wir berührt werden und andere berühren,
lässt uns von einer Welt träumen, in der wir alle erfüllt sein können mit Joy.
Eine andere Welt und ein warmer, liebevoller Umgang von Menschen miteinander ist verdammt nochmal möglich.
Fangen wir hier „unter uns Dykes*“ an.

Ich lade euch jetzt noch ein zu einer kleinen Dyke* Joy Übung, in 2 Schritten:

Schritt 1: So viel Dyke* Joy auftanken wie möglich!
Schau dich dafür mal um: Was siehst du, was dein Dyke* Herz höher schlagen lässt? Siehst du vielleicht in einer Person die Idee von einer Zukunft – du in 20 Jahren? Oder berührt es dich andersherum, hier auch ganz junge Dykes* zu sehen? Wird dir ein bisschen heiß, weil alle so gut aussehen? Freust du dich über ein Plakat? Über die Ex, mit der die geteilte Katzenelternschaft so gut funktioniert? Über die 36 Karabinerhaken und Schlüsselketten, die du schon gezählt hast?😉 Schau dich um und saug das alles bewusst auf…

…und wenn du ganz voll bist und strahlst vor lauter Glück, Dyke* zu sein,
kommen wir zu
Schritt 2: Dyke* Joy verankern, damit du immer wieder auf dieses Glück zugreifen kannst!
Dafür stellst du dir jetzt vor, wie du diese ganze geballte strahlende Dyke* Freude in Irgendwas an dir bündelst: Kommst das z.B. alles in deine Boots, Stilettos oder Barfußschuhe, Glitzernägel, in dein Harness, dein Karohemd, Pailettentop, Poloashirt oder deine Lederkutte? Oder lieber in deine Armmuskeln oder in jedes deiner Beinhaare? Such dir was aus: Das wird der Anker für deine Dyke* Freude!

Und wenn du das nächste Mal dieses Gefühl brauchst in deinem Alltag, in schwierigen Momenten, dann verbinde dich mit diesem Anker. Und mit dem Wissen: Wir alle hier freuen uns über dich!

Tankt ganz viel Joy, ihr wundervollen Queers!
Habt einen tollen Dyke* March und passt aufeinander auf!